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UX Gui­de­li­ne-Sets, die Du ken­nen soll­test

Dauer 12 min. lesezeit

Man lernt nie aus: Wir geben Dir einen vielfältigen Strauß an UX Guideline-Sets mit an die Hand, die Dir helfen, Deinen menschenzentrierten Gestaltungsprozess effizient auf bereits etabliertes Wissen aufzubauen und die User Experience zu steigern.

UX-Guideline-Sets sind wichtige Werkzeuge, um im anthropozentrischen Gestaltungsprozess effizient auf bewährtes Wissen zurückzugreifen und die User Experience gezielt zu verbessern. Du erhältst konkrete Handlungsempfehlungen, die auf Forschung, Best Practices und Praxiserfahrung beruhen. Entscheidend ist jedoch, im richtigen Moment, das passende Guideline-Set zur Hand zu haben. Die hier vorgestellten Sets unterscheiden sich nicht nur in ihrer inhaltlichen Ausrichtung – von allgemeinen Prinzipien und heuristischen Regeln bis hin zu spezifischen Empfehlungen für Web, Mobile oder Designpsychologie –, sondern auch in ihrem Detailgrad, ihrer wissenschaftlichen Fundierung und ihrer praktischen Anwendbarkeit. Manche bieten kompakte Übersichten, andere detaillierte Regelwerke mit begleitenden Beispielen und Checklisten.

Während UX-Guidelines meist sehr konkrete, umsetzungsorientierte Empfehlungen enthalten, sind Heuristiken eher allgemeine Standards, die als Prüfmaßstab dienen. Sie helfen, potenzielle Usability-Probleme zu identifizieren, indem sie das Design gegen übergeordnete Prinzipien spiegeln. Ein bekanntes Beispiel sind Nielsens 10 Usability-Heuristiken, die grundlegende Qualitätskriterien wie Konsistenz, Fehlertoleranz und Nutzerkontrolle formulieren. Design-Prinzipien wiederum bilden eine noch höhere Abstraktionsebene: Sie geben eine strategische Richtung vor. Zusammengenommen ergänzen sich diese drei Ebenen – Design-Prinzipien, Heuristiken und Guidelines – und schaffen einen Rahmen, um den Gestaltungsprozess sowohl inspiriert als auch überprüfbar zu machen.

All­ge­mei­ne UX-Prin­zi­pi­en & Heu­ris­ti­ken

DIN EN ISO 9241

Bei der DIN EN ISO 9241 handelt es sich um einen Klassiker, den jeder kennen sollte. In dieser Normenreihe finden sich Standards des Deutschen Instituts für Normung, die als grundlegende Richtlinien zur Gestaltung der Mensch-System-Interaktion betrachtet werden können. Unter den (vermutlich) in der UX-Branche bekanntesten Guidelines sind die Interaktionsprinzipien (9241-110) oder die Leitlinien zur Gestaltung von Benutzungsschnittstellen für das World Wide Web (9241-15).

» Ergonomie der Mensch-System-Interaktion: DIN EN ISO 9241-110

Eight Golden Rules of Interface Design

Bereits 1987 formulierte Ben Shneiderman in seinem Werk Designing the User Interface: Strategies for Effective Human-Computer Interaction die bis heute relevanten acht goldenen Regeln für die Gestaltung von Mensch-Maschine-Schnittstellen. Diese Regeln wurden nach eigenen Angaben aus Erfahrungen abgeleitet und über drei Jahrzehnte verfeinert.

» Ben Shneidermans Acht Goldene Regeln

Don Norman’s Fundamental Principles of Interaction

In seinem berühmten Werk The Design of Everyday Things finden sich unter anderem die von Don Norman publizierten sechs Prinzipien für die Usability bei der Interaktion mit Alltagsgegenständen. Die untenstehende Webseite listet diese auf und erklärt sie abstrakt in wenigen Sätzen. Für einen tieferen Einblick ist Don Normans Buch als Standardwerk immer wieder lesenswert.

» Don Normans Prinzipien des Designs

Nielsen’s 10 Usability Heuristics

Ein weiterer Klassiker des Usability Designs sind Jakob Nielsens 10 Prinzipien des User Interface Designs. Neben den erklärten Heuristiken werden auch Tipps zur Umsetzung, kurze (auch optisch umgesetzte) Beispiele und Links zu weiterführenden Informationen in Form von Artikeln oder Videos gegeben. Zudem werden Poster mit der Zusammenfassung aller Prinzipien oder ausführlichere Poster mit einer DIN-A4-Seite pro Prinzip bereitgestellt.

» Nielsens 10 Usability Heuristics

Gerhard-Powals’ Cognitive Engineering Principles

Diese zehn Prinzipien wurden entwickelt, um die kognitive Belastung von Nutzer*innen zu reduzieren. Sie empfehlen unter anderem, Informationen in sinnvolle Einheiten zu gruppieren (Chunking), die Gedächtnislast zu verringern, vertraute Begriffe und Metaphern zu verwenden und unnötige Interaktionen zu vermeiden. Damit eignen sie sich besonders gut, um Interfaces so zu gestalten, dass sie leicht erlernbar und effizient nutzbar sind.

» Prinzipien zur Reduktion kognitiver Belastung

The UX Axioms

Diese 26 Axiome” von Erik Dahl stellen eigentlich Aufforderungen dar, wie UX Design in der Entwicklung von Produkten und Services erfolgen sollte, beziehungsweise umgesetzt werden kann. Vielleicht lassen sich die Axiome als eine Art Mindset der UX bezeichnen – sie geben Guidelines zum Prozess der Produktentwicklung an sich und beeinflussen so indirekt die UX der daraus entstehenden Produkte.

» UX-Axiome für nutzerzentrierte Produktentwicklung

First Principles of Interaction Design

Von A bis V enthält die untenstehende Seite in 19 Themenbereichen sämtliche Richtlinien zur Gestaltung von Benutzeroberflächen. Diese recht umfangreiche Zusammenstellung strukturiert die Guidelines inhaltlich und bettet sie in wissenschaftliche Befunde ein. Zudem werden gelegentlich Hinweise zu weiterführenden Informationen gegeben und zur Veranschaulichung Beispiele und Case Studies dargestellt.

» Übersicht: Prinzipien des Interaktionsdesigns

De­sign­psy­cho­lo­gie und -prin­zi­pi­en

Gestaltgesetze

Diese „Gesetze” stammen aus der Gestaltpsychologie und beschreiben Prinzipien, nach denen visuelle Elemente als zusammenhängend wahrgenommen werden. Damit bieten sie einen universellen Ansatz der menschlichen, visuellen Wahrnehmung, wie bspw. Elemente auf einem User Interface bei der visuellen Verarbeitung gruppiert werden, und wie man diese bewusst im Design ansteuern kann. Ursprünglich formulierte Wertheimer (1923) hierzu sechs Prinzipien, die bis heute eine zentrale Grundlage für Design und UX darstellen. In der untenstehenden werden acht Gestaltgesetze benannt, erläutert und direkt Designableitungen für digitales Design gegeben.

» Grundprinzipien der visuellen Wahrnehmung mit Designbeispielen

Ten principles for good design

Der Industriedesigner Dieter Rams stellt 10 Design-Prinzipien auf einer grundlegenden Ebene für ein „gutes Design“ auf. Die Prinzipien beziehen sich allgemein auf das Produktdesign und inspirieren alleine durch die Darstellung. Auf der untenstehenden Website von Vitsœ, deren Design Dieter Rams im Kontext von Möbeln entwirft, sind sie erläutert und mit Designbeispielen verdeutlicht.

» Inspiration für gutes Produktdesign mit Praxisbeispielen

77 Human Needs

Every successful innovation serves a human need.” Diese Überschrift der untenstehenden Website sagt schon einiges über die 77 Human Needs aus und weshalb sie in diesem Blogbeitrag auftauchen. Unterteilt werden die Bedürfnisse in fünf verschiedene Kategorien und sind bisher nur in Workshops oder Trainings erlebbar. Das Erfüllen der Bedürfnisse stellt in jedem Fall einen interessanten UX Gestaltungsansatz dar.

» Ansatz für nutzerzentrierte Innovation mit 77 Bedürfnissen

UX Myths

Der UX Designer Zoltán Gócza formulierte mit der Unterstützung von Zoltán Kollin auf der untenstehenden Webseite 34 UX-Mythen. Bei diesen handelt es sich um UX-Fehlannahmen, die kurz erläutert und dann mit zahlreichen Beispielen und bspw. Guidelines, welche gegen dn „Mythos“ sprechen, untermalt werden. Das Ergebnis ist eine strukturierte Website mit umfassenden Belegen.

» Weit verbreitete UX-Fehlannahmen mit Gegenbelegen

UX-Gui­de­li­nes für KI & Ma­chi­ne Lear­ning

IBM AI De­sign Gui­de­li­nes

Die IBM AI Design Guidelines sind eine Sammlung von Prinzipien, Mustern und Empfehlungen für den Designprozess von KI-gestützten Produkten. Besonders wertvoll ist der Fokus auf Ethik, Fairness und die Vermeidung von Bias. Darüber hinaus werden Methoden vorgestellt, um diese Prinzipien messbar und im Projektalltag umsetzbar zu machen.

» Designprinzipien für verantwortungsvolle KI-Produkte

Goog­le PAIR Gui­de­book

Bei diesem Buch handelt es sich um ein praxisnahes Handbuch des People+AI Research-Teams von Google. Es enthält Leitlinien, um nutzerfreundliche KI-Systeme zu gestalten – von der Erklärbarkeit über den Umgang mit Unsicherheit bis hin zu Vertrauen und Nutzerkontrolle. Zusätzlich liefert es praxisnahe Übungen und Tools, die direkt im Produktentwicklungsprozess eingesetzt werden können.

» Praxisnaher Leitfaden für nutzerfreundliche KI-Systeme

ISO 13482 – Si­cher­heit von Ser­vice­ro­bo­tern

Der internationale Standard definiert Sicherheitsanforderungen für persönliche Assistenz- und Serviceroboter. Für UX-Teams ist er besonders wichtig, da die Sicherheitserwartungen der Nutzenden direkt in das Interface- und Interaktionsdesign einfließen. Er zeigt, wie Risiken minimiert werden können, um das Vertrauen in autonome Systeme zu stärken.

» Internationaler Standard für sichere Serviceroboter

Bar­rie­re­frei­heit & in­klu­si­ves De­sign

WCAG 2.2 – Web Con­tent Ac­ces­si­bi­li­ty Gui­de­li­nes

Die WCAG 2.2 bilden einen internationalen Standard für digitale Barrierefreiheit. Enthält messbare Kriterien für Kontraste, Tastaturnavigation, Formulargestaltung und mehr – mit dem Ziel, digitale Inhalte für alle Menschen zugänglich zu machen. Die 2.2-Version bringt zusätzliche Erfolgskriterien, die besonders mobile Anwendungen und kognitive Barrieren adressieren.

» Globale Richtlinien für barrierefreie digitale Inhalte

EN 301 549 – Eu­ro­päi­scher Stan­dard für di­gi­ta­le Bar­rie­re­frei­heit

Dieser europäische Standard legt die Anforderungen an die Barrierefreiheit von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) fest. Er ist besonders relevant für öffentliche Einrichtungen und regelt, wie Websites, mobile Anwendungen, Software und sogar Hardware barrierefrei gestaltet werden müssen. Damit schafft er eine einheitliche Grundlage für die Umsetzung der EU-Richtlinie 2016/2102 über den barrierefreien Zugang zu Websites und mobilen Anwendungen öffentlicher Stellen.

» Europäischer Standard für digitale Barrierefreiheit

In­clu­si­ve De­sign Princi­ples

Es handelt sich um sieben klar formulierte Prinzipien, die weit über Barrierefreiheit hinausgehen und allen Nutzenden zugutekommen. Besonders hilfreich in der Konzeptionsphase, um früh auf Vielfalt, Flexibilität und Toleranz gegenüber Fehlern zu achten. Sie fördern nicht nur Inklusion, sondern verbessern die allgemeine User Experience für alle Zielgruppen.

» Sieben Prinzipien für inklusives Design

Spe­zi­el­le Gui­de­li­nes & Samm­lun­gen

UX/UI Gui­de­li­ne Sum­ma­ry

Hierbei handelt es sich um eine Zusammenstellung relevanter UX Guidelines mit Fokus auf das User Interface oder die Interaktion. Einige der darin enthaltenen Guidelines sind auch in diesem Artikel aufgeführt und werden bei Nick Kolenda’s Webseite unten als Quellen angegeben. Die Zusammenfassung ist umfassend, gut strukturiert und mit anschaulichen Beispielen verdeutlicht..

» Übersicht relevanter UX/UI-Guidelines mit Beispielen

Heu­ris­ti­ken für ge­lun­ge­nes UX Wri­ting

Der Leitfaden vom Arbeitskreis UX-Writing der German UPA bietet eine Sammlung von Heuristiken, die speziell auf gutes Textdesign in Nutzeroberflächen abzielen. Er zeigt, wie zum Beispiel Klarheit, Konsistenz, Nutzerorientierung und Feedback durch Sprache gestaltet werden können, damit Texte im Interface nicht nur lesbar, sondern auch hilfreich und angenehm im Erlebnis sind. Diese Heuristiken sind besonders nützlich, wenn Interfaces zunehmend sprachlich und dialogbasiert wirken und Texte einen zentralen Teil der Nutzungsführung übernehmen.

» Leitfaden zu UX Writing Heuristiken

Plea­su­re & Pain

Im untenstehenden Blogbeitrag von Whitney Hess finden sich insgesamt 25 Guidelines: Fünf für die Designer selbst und 20 für das Design. Diese werden in Textform aufgeführt und jeweils kurz erläutert. Dabei werden sowohl Empfehlungen für den Designprozess, als auch inhaltlich für das UX Design gegeben und jeweils in wenigen, prägnanten Sätzen erläutert.

» Empfehlungen für UX-Designer und Designprozesse

UX Gui­de­li­nes der Un­ter­neh­men

Wie der Titel bereits andeutet, sind auf der untenstehenden Website UX Guidelines verschiedener, erfolgreicher Unternehmen aufgelistet. Insgesamt sind 14 Guideline-Sets verschiedener Anbieter – von Adobe bis Sony – übersichtlich aufgelistet und verlinkt, jedoch ohne weiterführende Beschreibungen.

» UX-Guidelines von 14 bekannten Unternehmen

Stan­ford Gui­de­li­nes for Web Credi­bi­li­ty

Zu einer der (auch) von Peter Morville beschriebenen Facetten, der Credibility, entwarf die Stanford Universität 10 Guidelines zum Aufbau der Glaubhaftigkeit von Websites. Die entwickelten Richtlinien wurden laut Angabe der Website über drei Jahre Research und mit über 4.500 Personen entwickelt. Auf ihrer Website sind auch sämtliche Publikationen der zugehörigen Forschung aufgelistet.

» Richtlinien für glaubwürdige Websites von Stanford

User Ex­pe­ri­ence Ho­ney­comb zur Web­site In­for­ma­ti­ons­ar­chi­tek­tur

Peter Morville veröffentlichte 2004 das UX Honeycomb, welches seinem Namen durch die Darstellung von sieben Begriffen in „Honigwabenformen“ entspricht. Diese Begriffe zeigen verschiedene Facetten der User Experience auf. Sie lassen sich aber auch als Werkzeug, im Sinne einer Guideline, verwenden.

» Visualisierung der sieben Dimensionen der User Experience

Fazit

Gren­zen, Vor- und Nach­tei­le von User Ex­pe­ri­ence Gui­de­li­nes

Insgesamt sind in diesem Artikel, wie ich finde, sehr spannende Guidelines mit unterschiedlichem Fokus und Umfang aufgeführt. Viele laden auch dazu ein, sich tiefer mit dem entsprechenden Thema zu beschäftigen und bieten weiterführende Links und Literaturhinweise. Nichtsdestotrotz muss bedacht werden, dass Guidelines ein Hilfsmittel darstellen, welches nicht allein für einen menschenzentrierten Entwicklungsprozess sorgen kann. Die Grenzen, sowie Vor- und Nachteile von Usability-Guidelines, wurden bereits in diesem Blogbeitrag aufgearbeitet.


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